Portrait über unseren Schiedsrichter Joseph Wielens

Von Stefan Hoof

Im Sommer wird Joseph Wielens 70. Doch ein Jubiläum feiert er heute. Auf den Tag genau vor 50 Jahren legte er seine Prüfung als Fußball-Schiedsrichter ab: am 11. Februar 1967 in der Sportschule Kaiserau.

Doch der Alstätter gehört nicht nur der Gilde der Schiedsrichter immer noch an, er steht sogar bei Bedarf noch zum Pfeifen zur Verfügung. „Ich reiße mich nicht darum. Aber wenn Bedarf ist, warum nicht“, sagt der 69-Jährige. Zuletzt kam er im vergangenen Jahr bei einem Kreispokalspiel der Altherren in Vreden zum Einsatz. Weitere Einsätze bei den Fußball-Oldies kann sich Wielens gut vorstellen – „wenn es wieder wärmer ist.“

Zur besseren Einordnung: 1967 wurde Eintracht Braunschweig Deutscher Fußball-Meister, setzte sich vor dem Titelverteidiger aus München durch. Aber gemeint sind nicht die Bayern, sondern der TSV 1860 München.

Joseph Wielens hatte bis zu jener Zeit als junger Bursche als Linienrichter gewirkt. „Aber da habe ich mir schon früh überlegt, Schiedsrichter zu werden.“ Nur eine Woche nach der erfolgreichen Prüfung bekam der junge Alstätter seine erste Begegnung zugewiesen. „Ein Spiel der B-Jugend-Mannschaften zwischen Legden und Asbeck“, erinnert sich der Jubilar. „Auf einem Platz, den es heute gar nicht mehr gibt“. Buch geführt hat er über die zahllosen weiteren Einsätze nicht, auch nicht über die Anzahl der Feldverweise. „Aber so viele waren es gar nicht bei mir“, erläutert der KFZ-Schlosser, der in Schöppingen zunächst eine Tankstelle und später eine Werkstatt betrieb. Heute führen die Söhne Thomas (selbst Schiedsrichter) und Sebastian den KFZ-Betrieb weiter.

„Mit einem guten Wort kann man mehr erreichen, als wenn man sofort die Karte zückt“, ist der erfahrene Referee seiner Linie immer treu geblieben. „Damit bin ich sehr gut gefahren“, betont er.

Wer 50 Jahre als Unparteiischer unterwegs ist, schleppt natürlich einen großen Koffer voller Erinnerungen mit sich herum. Und nicht nur den. Wielens legt auch noch mehrere, teilweise schon verblichene Schiedsrichterausweise vor. Auch ein Trikot aus früheren Zeiten hat er aufbewahrt, es passt ihm noch.

Was er heute im Gegensatz zu früher am meisten vermisst, ist die Kameradschaft. „Ob nach den Spielen oder auch nach Tagungen, wir haben doch immer zusammengesessen“, erinnert sich Wielens gerne. Auch an die legendären Schiedsrichterfeste des Fußballkreises, die mehrmals nacheinander in Alstätte in Form eines Schützenfestes gefeiert wurden – „so richtig mit einem Umzug und Musikkapelle“.

Gut vor Augen hat Wielens auch noch den überraschten Blick von Karl-Heinz Pohlschröder, als der auf der Anlage von Post Recklinghausen gerade anpfeifen wollte. „Plötzlich tauchten wir dort mit mehreren Alstätter Kameraden zu seinem Verbandsliga-Abschied auf. Da hatte er nicht mit gerechnet“, erzählt Wielens. Den Bulli hatte übrigens Renate Wielens gefahren. „Auch wenn meine Frau für den Fußball so viel nicht übrig hat, unterstützt hat sie mich immer.“

Sportlich schaffte es Wielens bis in die Bezirksliga, mit 23 Jahren durfte er überkreislich pfeifen. „Ich habe viele gute Spiele bekommen“, urteilt er und spricht von vielen Derbys im Ahauser und Vredener Raum, aber auch im Tecklenburger Land. „Wenn dort Ibbenbüren gegen SW Esch vor über 2500 Zuschauern spielte, war das auch für mich als Schiedsrichter ein Ereignis.“

Ein anderes, aber weniger amüsantes Erlebnis hatte der Alstätter in Stadtlohn, wo er neben Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Uhlig (Dortmund) zum Einsatz kam. Nach einer Roten Karte gegen den beliebten Franz-Jupp Erning war die Stimmung nach dem Abpfiff so gereizt, dass sich die Unparteiischen in der Kabine einschließen ließen, bis sie zwei Stunden später von der Polizei aus dem Stadion eskortiert wurden.

Ein Vereinswechsel kam für Joseph Wielens nie in Betracht. Auch nicht, als sich nach Einführung des Drei-Stufen-Plans so mancher Schiedsrichter von Vereinen abwerben ließ, die zu wenig Referees stellten. „Mein Verein ist immer der VfB gewesen“, betont der Jubilar. Stutzen, Hose und Hemd gab es stets vom Verein. „Und die Schuhe hat uns Ludger Körkemeyer spendiert, die er wiederum beim Bundesliga-Schiedsrichter Dieter Pauly aus Rheydt bestellt hat“, freut sich Wielens über diese Geste noch heute.

Für den VfB war Wielens auch als Betreuer der Damenmannschaft im Einsatz, als die unter Regie von Trainerin Maria Wilmer in der Verbandsliga erfolgreich war. Auch als Schiri-Obmann („In der Spitze hatten wir 22 Schiedsrichter, die für den VfB gepfiffen haben“) und als 2. Vorsitzender engagierte sich Wielens zwischendurch.

Auch wenn Joseph Wielens heute einer der dienstältesten Schiedsrichter im Kreis Ahaus/Coesfeld ist, der bei Bedarf noch zur Pfeife greift, hat er sich den Entwicklungen nicht verschlossen. Außer in einem Punkt: „Ich trage nur schwarze Trikots“, sagt er, während er aus seiner Sporttasche eine Gelbe und eine Rote Karte kramt. „Die gab es noch nicht, als ich anfing. Und gewechselt wurde während eines Spiels auch nicht“, erzählt er. „Aber die Kulisse, die stimmte damals. Und nach dem Spiel ging es ins Vereinslokal.“

Den alten Zeiten trauert Joseph Wielens schon nach, auch wenn er seine Begeisterung für den Fußball nie verlieren wird.

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